Birdrace-Künstler

Jens Hamann

Jens Hamann — 1955 in Wismar geboren und heute in Berlin lebend — hat schon immer viel gezeichnet und gemalt. Bevorzugtes Thema waren die Natur- und Tierwelt, die schon für ihn als Kind ein wichtiger Rückzugsort und Beobachtungsgegenstand war. Im Laufe seines Lebens hat sich allerdings die Intention seiner Bilder verändert.

War es ihm anfangs sehr wichtig, Bilder zu malen, die die Schönheit der Sujets in ausgewogenen Kompositionen zeigten, ist dies heute eher ein nebensächliches Anliegen. Auf vielen Expeditionen als Ornithologe in Nordrussland, Skandinavien, Island und Grönland wurde die Malerei zwischenzeitlich ein wenig von der Fotografie zurückgedrängt. Doch bald war das Gefühl vorhanden, Wesentliches nicht zeigen zu können, weil das Foto oft eine andere Wahrheit als die empfundene abbildet. Es besitzt nicht so viele Steuerungsmöglichkeiten wie die Malerei. Weder konnte als unwichtig oder störend Wahrgenommenes einfach weggelassen noch konnten bestimmte Elemente betont werden. So war es nur folgerichtig, dass die Malerei und die Zeichnung wieder in den Mittelpunkt des Schaffens rückten. Um den Betrachter am eigenen Naturerlebnis teilhaben zu lassen, werden Eindrücke und Stimmungen nun mitunter überhöht dargestellt. Bei vielen Tierdarstellungen ist dem Künstler besonders wichtig, das Tier aus der Sicht eines Artgenossen zu zeigen, also den Betrachter des Bildes auf Augenhöhe mit dem Dargestellten zu bringen und so eine Intimität herzustellen. Heute kommt allerdings noch ein Aspekt hinzu. Inzwischen begreift der Künstler seine Bilder auch als eine Art Dokumentation. Sie zeigen, wie vielfältig die Natur heute, in Zeiten des Artensterbens und der Zerstörung von Lebensraum, noch ist. So ist indirekt mit seinen Bildern auch immer die Aufforderung verbunden, das, was unsere Welt ausmacht, zu schützen und zu erhalten.

Der hier abgebildete Säbelschnäbler stammt aus der Serie „Spiegelungen“, die im Wasser stehende Limikolen zeigt. Da sein Erscheinungsbild selbst schon sehr grafisch ist, erschien der gestalterische Bezug zu chinesischen Tuschezeichnungen naheliegend.


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