Hintergrund

Über das Birdrace

Team „Dünenjogis“ 2017
Wetter gut, Laune gut! Von den Bedingungen am Birdrace-Tag hängt viel ab ...
© Team „Dünenjogis“ 2017

Der Spaß an der Vogelbeobachtung, der gemeinnützige Einsatz für den Erhalt der Vogelwelt und das Schaffen großen öffentlichen Interesses, das für die Vermittlung von Themen des Natur– und Vogelschutzes unerlässlich ist — all das verbindet das Birdrace des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten miteinander. Oberflächlich betrachtet mag es zwar nicht nur für Außenstehende, sondern auch für manchen Ornithologen skurril klingen, die Vogelbeobachtung als sportlichen Wettbewerb auszutragen. Doch schon auf den zweiten Blick verbirgt sich dahinter weit mehr als eine Selbstbelustigung von Raritätenjägern. Denn mit Hilfe eines solchen Rennens um Vögel lassen sich – eben wegen des großen medialen Interesses — viele Themen, für die wir uns ehrenamtlich engagieren, ausgezeichnet ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Wer rennt und was zählt?

Es rennen also nicht die Vögel, sondern die Beobachter hinter selbigen her. Dabei versuchen drei– bis fünfköpfige Teams innerhalb eines Tages so viele Vogelarten wie möglich zu sehen oder zu hören. Vorab wird vereinbart (v.a. bei mehreren Teams in einer Region wichtig), innerhalb welcher Grenzen beobachtet wird. In der Regel ist das ein Landkreis. Gezählt werden dürfen innerhalb Deutschlands alle frei fliegenden Arten (d.h. außerhalb von Haltungen und Ähnlichem), sofern sie von der Mehrzahl der Teammitglieder gesehen oder gehört wurde. Gemogelt wird nicht, das gebietet die sportliche Fairness. Und selbstverständlich steht über allem sportlichen Ehrgeiz der Schutz der Natur und der zu dieser Zeit bereits brütenden Arten. „Gerannt“ wird immer am ersten Samstag im Mai (außer, wenn dieser auf den 1. Mai fällt), also ... , , , ,

Singvögel, „grüne“ Teams und die „Küken“

Teams mit Zugang zur Küste haben durch diesen zusätzlichen Lebensraum und die vor allem dort vorkommenden Vogelarten gemeinhin die besten Chancen, die höchste Artenzahl zu erreichen. Seit 2007 gibt es daher die Sonderwertung "Singvögel", um binnenländische Teams eine gleichwertige Chance auf einen Titel zu geben — sozusagen der DFB–Pokal im Birdrace. Auf vielfachen Wunsch wurden ein Jahr später erstmals Teams besonders gekennzeichnet, die ausschließlich umweltfreundlich (meist mit dem Fahrrad) unterwegs sind. Spätestens mit dieser besonderen Kennzeichnung wird das Birdrace tatsächlich zum sportlichen Ereignis: über 100 km mit dem Fahrrad und zu Fuß (und das oft nicht auf komfortabel ausgebauten Wegen), erfordern schon ein gehörige Maß an sportlicher Fitness, zumal man stets aufmerksam bleiben sollte, denn es zählen ja nicht die Kilometer, sondern die beobachteten Vogelarten. Im den vergangenen Jahren verzichtete bereits rund die Hälfte der Teams auf ein eigenes Auto und so manches Team hat bereits angekündigt, bei entsprechenden Witterungsverhältnissen diese besondere Herausforderung auch beim nächsten Mal anzunehmen.

2009 kam als vorerst letzte Kategorie die besondere Kennzeichnung von Teams hinzu, bei denen die Mehrzahl der Mitglieder unter 20 Jahre alt ist.

Kann das Birdrace noch umweltfreundlicher?

Usedommeln 2013
Das Ein CO2-freies Birdrace forderten 2013 nicht nur die „Usedommeln“. CO2-frei wird das Birdrace zwar vorerst nicht, wir streben aber an, dass es zumindest CO2-neutraler wird. Seit 2014 sind deshalb alle Teams, die nicht auf ein Auto verzichten können oder wollen, aufgefordert, durch eine CO2-Abgabe ihre CO2-Emissionen zu kompensieren. Foto: Usedommeln

Ein zentrales Anliegen des Birdraces und DDA ist es, das Thema Artenvielfalt und deren Erhaltung in die Öffentlichkeit zu tragen. Obgleich das bereits gut gelingt, noch überzeugender wäre es, wenn das Birdrace selbst ein umweltfreundlicher, d.h. CO2-freier, zumindest aber CO2-neutraler Wettbewerb wäre. Die auto-freie Variante des Birdraces erfreut sich zwar einer deutlich wachsenden Beliebtheit — 2013 schwangen sich bereits fast 50 % der Teams in den Fahrradsattel —, ein Teil der Teams kann (oder will) auch in Zukunft nicht auf ein Auto verzichten. Die Gründe sind vielfältig, sei es, weil der Beobachtungsraum im Mittelgebirge liegt oder weil die körperlichen Anforderungen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer z.B. aus Altersgründen zu hoch wären.

Seit 2014 soll das Birdrace möglichst CO2-neutral gestaltet werden. Alle Teams, die nicht auf ein Auto verzichten können oder wollen, sind deshalb aufgefordert, durch eine CO2-Abgabe in Höhe von z.B. 10 Euro (Empfehlung) ihre CO2-Emissionen zu kompensieren. Die Empfehlung von 10 Euro liegt zwar deutlich über dem vermutlichen CO2-Austoß im Rahmen des Birdraces, aber im Vorfeld des Rennens wird ja so mancher Kilometer verfahren, um sich vorzubereiten. Es steht aber natürlich jedem Team frei, die Höhe der Abgabe entsprechend der tatsächlich gefahrenen Kilometer oder des Spritverbrauchs auszurechnen. Die CO2-Emissionen der auto-freien, aber ggf. Bus oder Bahn nutzenden Teams wird der DDA durch eine Spende an www.prima-klima-weltweit.de pauschal ausgleichen.

Die einen spenden, die anderen rennen — ein Projekt gewinnt!

Doch zu einem Birdrace gehört mehr als nur möglichst viele Vogelarten zu entdecken — auch wenn dies natürlich das Herzstück darstellt. Denn die Teams sind — wenngleich dies keine unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme ist — dazu aufgerufen, Spenden für ein jährlich festgelegtes Projekt zu sammeln. Und damit ist, wie sollte es bei einem Wettbewerb auch anders sein, das Rennen um die Auszeichnung als „Birdrace–Spendenkönig“ eröffnet. Ein besonderer Anreiz für die Teams ist es, wenn Unternehmen oder Freunde einen bestimmten Betrag pro Art spenden, denn dann erhöht sich mit jeder neu beobachteten Art gleichzeitig die Spendensumme.

Welches Projekt unterstützt wird, legt die DDA–Mitgliederversammlung jährlich neu fest. In den ersten Jahren gingen die Spenden an das ADEBAR-Projekt. Der Atlas Deutscher Brutvogelarten stellt die Verbreitung, Häufigkeit und Bestandsentwicklung der insgesamt 70 bis 100 Millionen Brutpaare aller 280 Brutvogelarten Deutschlands für den Zeitraum 2005—2009 dar. Stolze 80.000 Euro an Spenden konnten über das Birdrace für dieses Projekt gesammelt werden!

ornitho
ornitho.de ist die Beobachtungsplattform für Zufallsbeobachtungen und wird stetig weiterentwickelt.

Seit 2010 wird durch Spenden der Aufbau des Internetportals ornitho.de unterstützt, das im Oktober 2011 startete und seither faszinierende Einblicke in das vogelkundliche Geschehen hierzulande bietet (s. Publikationen und Auswertungen auf ornitho.de). Mit den Spenden werden erneut Betreuung, Unterhalt und Weiterentwicklung des Portals unterstützt. Im Frühling lässt sich durch ornitho.de beispielsweise der Fortschritt im Frühjahrszug tagesaktuell nachvollziehen, etwa wann und wo die ersten Schwalben beobachtet werden, die ersten Fitisse singen oder wie West- und Ostzieher beim Weißstorch zeitlich gestaffelt in den Brutgebieten ankommen. Schauen Sie am besten selbst einmal vorbei und tragen Sie Ihre Beobachtungen als weitere Mosaiksteinchen eines immer vollständiger werdenden Bildes ein.

Allen Birdracerinnen und Birdracern sollte es also ein großer Ansporn sein, selbst ihren Teil zur Weiterentwicklung von ornitho.de beizutragen!

Flimmern und Rauschen — großes Medienecho

Das Birdrace bietet nicht nur für die teilnehmenden Gruppen zahlreiche spannende und zuweilen auch unverhoffte Augenblicke, auch die Medien greifen dieses erfrischende und interessante Thema gerne auf. Wann findet man sonst schon einmal etwas Interessantes über Naturschutz oder Ornithologie auf der Titelseite der Tagespresse?

Eine Übersicht über das Medienecho bei den Birdraces in den vergangenen Jahren findet sich unter Medien und Presse.

Einmal Birdracer, immer Birdracer

Auch für das Birdrace gilt das olympische Credo: Dabei sein ist alles! Mitmachen kann jede und jeder, egal wie viele Vogelarten man erkennen kann und unabhängig davon, ob Spenden eingeworben werden oder nicht. Jedes Team trägt dazu bei, unser gemeinsames Anliegen, die Freude an der Naturbeobachtung und den Schutz unserer heimischen Vogelwelt, in die Öffentlichkeit zu tragen. Ganz nebenbei wird einem auch deutlich, wie gut man sich in seinem eigenen Landkreis auskennt oder dass „Allerweltsarten“ mitunter gar nicht so leicht zu entdecken sind. Und — das ist doch das Wichtigste — man verbringt mit Freunden und Bekannten einen erlebnisreichen und fröhlichen Tag!

So viele Beobachter — 2017 waren es bereits mehr als tausend Teilnehmer — können sich nicht täuschen, wenn sie schreiben:

Es hat uns riesigen Spaß gemacht. Wir sind im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei!

Das Birdrace ist ausgezeichnet

Muna Preis
Hohe Auszeichnung für das DDA-Birdrace: die muna 2005. Foto: DDA

Und ausgezeichnet ist auch wörtlich zu nehmen: Im Oktober 2005 wurde den Initiatoren des Birdrace die muna 2005 in der Kategorie Idee/Innovation verliehen. Die muna, der Preis für Mensch und Natur, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und ZDF.umwelt alljährlich für herausragendes ehrenamtliches Engagement im Naturschutz vergeben.

audible media   Projektvorstellung bei ZDF.umwelt